„Früher war alles besser!“ Solches Geschwätz ist eine gefährliche Verzerrung der Vergangenheit und entbehrt jeglicher Realität. Unter Erinnerungskultur verstehen wir also keine Nostalgie in dem Sinne, der „guten alten Zeit“ hinterherzutrauern.

 

Viele von uns wuchsen betreffs der jüngeren Vergangenheit im großen Schweigen auf begleitet von heftigem Gedächtnisverlust. In unserer Jugend erfuhren wir, dass keiner ein Nazi war, niemand die NSDAP wählte oder den Nazis zujubelte, fast jeder von den Verbrechen des nationalsozialistischen Verbrechersystems niemals nichts gehört hatte. Das sollte doch eigentlich das Interesse an Aufklärung wecken. Der ständig wiederkehrende Satz „Man sollte endlich einmal Gras über die Sache wachsen lassen" war in dem Zusammenhang ein Widerspruch in sich. Das Vergessen, Verdrängen und Vertuschen wurde kultiviert und übrig blieb, dass ja nicht alles schlecht gewesen wäre, wie beispielsweise der Bau der Autobahn. Wozu man sie baute, wurde nicht hinterfragt.

 

Aber es gab ja Experten, zum Beispiel Geschichtslehrer in der Schule. Dummerweise stammten etliche von ihnen in den 1960er bis 1980er Jahren aus der Nazizeit, die sich früher mit den Nazis gut arrangieren konnten und später zähneknirschend mit der Demokratie. Es fiel auf, mit welcher Begeisterung sie sich in der alten und älteren Geschichte aufhielten. Die Pogrome gegen Juden, Sinti, Roma, Jenischen wurden meist unterschlagen, ebenso die Deutschen Kolonien. Von dem Völkermord an den Herero und Nama beispielsweise hörte man nichts. Nur die anderen, vor allem Frankreich, England und Niederlande, verübten Grausamkeiten und Verbrechen in Afrika und Asien. Dass das Deutsche Reich flächenmäßig das drittgrößte Kolonialreich war, erwähnten die schulischen Experten nicht oder nur sehr selten. Nein, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus waren keine Erfindung der Nazis und genau aus diesem Grunde erfuhren sie wenig Widerspruch.

 

Die Nazis erfanden auch nicht den Begriff des „lebensunwerten Lebens“. Die Diskussionen bestanden weltweit, angeheizt durch die Eugenik (Erbgesundheitslehre, unter den Nazis „Rassenhygiene“). Zum Beispiel nahm die USA eine Vorreiterrolle betreffs Eugenik ein. Dort wurden 1932 Zwangssterilisationen in 32 amerikanischen Bundesstaaten eingeführt. Betroffen waren besonders „Geisteskranke“ oder „Schwachsinnige“ in Anstalten. 1933 erließen fast alle Bundesstaaten der USA zusätzlich ein gesetzliches Eheverbot für „Geisteskranke“. Das erklärte auch, warum die fabrikmäßige Ermordung von Menschen mit Behinderung und Kranken durch die Nazis in Deutschland nach 1945 durch die Alliierten nur sehr halbherzig geahndet wurde. Die deutsche Justiz, selber Dreck am Stecken, zeigte logischerweise auch kein großes Interesse an der Aufarbeitung dieser Verbrechen. Und natürlich auch nicht das Unrecht an Menschen, die nicht in ihre Vorstellung passten wie beispielsweise Homosexuelle oder Menschen, die die Nazis als arbeitsscheu oder kriminell einordneten.

 

Als OMAS GEGEN RECHTS versuchen wir, die Demokratie zu schützen und zu fördern. Als Gefahr für unser jetziges Gesellschaftssystem erkennen wir Vorurteile und verfestigtes faschistisches Gedankengut durch mangelhafte Aufarbeitung der Vergangenheit. Ein Mittel für uns ist das geschichtliche Vergessen, Verdrängen, Vertuschen, Verklären in unserer Region zu durchbrechen. Frau Prof. Dr. Aleida Assmann beschreibt in einem Satz unseren Anspruch zur Erinnerungsarbeit:

 

„Erinnern ist Arbeiten an der Zukunft.“ Aleida Assmann

 

                                                                   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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