Von Beruf war Johannes Stark Physiker, der für einzelne physikalisch-technische Leistungen den Nobelpreis erhielt. Doch ein Wissenschaftler, der in Zusammenhängen denken kann und dem humanen Fortschritt verpflichtet ist, war dieser Mann nicht. Er erklärte Einsteins Relativitätstheorie für eine „jüdische Verschwörung“, hetzte gegen jüdische Kollegen, die ihm intellektuell haushoch überlegen waren, behauptete die Existenz einer „deutschen Physik“, die „arisch und weniger jüdisch“ sein sollte, und förderte als „Wissenschaftler“ Nazi-Gesetze gegen „Asoziale, Zigeuner, Erbkranke und andere Ballastexistenzen“, was zu einem riesigen staatlichen Mordprogramm führte, das Teil des Holocausts war. Er war in völkisch-antisemitischen Bünden und ging schon 1930 in die Nazi-Partei, in der ihm nicht alle antisemitisch genug waren und der er bis zur Befreiung am 8. Mai 1945 die Treue hielt.

 

Alles in allem war Stark ein fanatischer Anhänger und Täter des deutschen Verbrecherstaats. Beispielsweise ernannte man ihn 1937 aufgrund besonderer Verdienste zum Ehrenmitglied des "Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands". Dieses Institut unterstand dem Reichswissenschaftsministerium, befasste sich mit der "Judenfrage" und war ein Instrument der NS-Propaganda. 

 

Nach Kriegsende war Stark Angeklagter in einem Spruchkammerverfahren. Eigentlich hätte es nur ein Urteil geben dürfen: death by hanging. Das allerdings sah das 1946 verabschiedete bayerische Gesetz zur Befreiung vom Nationalsozialismus und Militarismus nicht vor. Deshalb verurteilte eine Spruchkammer den Verbrecher als Hauptschuldigen oder Kriegsverbrecher zu vier Jahren Zwangsarbeit. Im Lauf weniger Jahre wurde aus der angekündigten Entnazifizierung eine Renazifizierung. Stark wurde in der Berufungsverhandlung plötzlich als Entlasteter, als Mitläufer, eingestuft und kam mit einer Geldstrafe davon.  

 

Was hatte er sich denn schon zuschulden kommen lassen? Dieser Ansicht war in den 1970er Jahren der Weidener Stadtrat, als er einstimmig beschloss, eine Straße im Gewerbegebiet Pfreimter Weiher Dr.-Johann-Stark-Straße zu nennen.

 

Einen Mann wollte die Stadt ehren, der sich mit seinem Gelaber zur "deutschen Physik" in der Fachwelt nur noch lächerlich gemacht hatte? Sollte etwa dieser Mann Weiden repräsentieren, der nach 1921 keinen realen wissenschaftlichen Beitrag mehr erbrachte und sich nur noch als Nazi, Antisemit, Rassist und Agent des Verbrecherstaats betätigte? Als Jahrzehnte später einige aufgeklärte Menschen verlangten, dieser Missgriff müsse korrigiert werden, moderierte der Stadtrat nach dem Motto „Wenn du nicht mehr weiterweißt, gründe einen Arbeitskreis“.

 

Resultat war ein Kompromiss: Unter dem Schild mit dem Namen des Verbrechers brachte die Stadt drei Meter hoch eine winzige Schrift an, die mehr verschweigt, als sie klarstellt und niemandem auffallen kann, der nicht danach sucht. Die Anlieger, meist Gewerbebetriebe, hielten fest an Dr. Johann Stark, Dies kommt einer Ehrenrettung für einen Antisemiten gleich - und das in der heutigen Demokratie. Erst vor kurzem bekräftigte eine große Mehrheit im Stadtrat den Beschluss.

 

Jahr für Jahr findet am 9. November in der Konrad-Adenauer-Anlage ein öffentliches Gedenken an die Reichspogromnacht statt, wird an die ermordeten jüdischen Menschen aus Weiden erinnert. Und gleichzeitig ehrt man einen nationalsozialistischen Verbrecher mit diesem Straßennamen? Diesen Widerspruch können die Stadträtinnen und Stadträte nicht als solches erkennen?

 

 

Die Nachbarstadt Amberg zeigt, wie es geht. Dort ist schon vor Jahren der Name Johannes Stark aus dem Straßenbild verschwunden.

 

Das sollte auch hier gelingen – und mehr als das. Es ist eine Ehrung von Rosa Hoffmann fällig, die sich dank der Hilfe couragierter Menschen in Weiden den Nazi-Häschern und der Vernichtung entziehen und überleben konnte; sie muss die Patin der Straße werden. Das Opfer muss über den Täter triumphieren.

 

 

Siehe Virtuelles Denkmal Gerechte der Pflege Rosa Hoffmann

 

 

 

Poppenricht und Schickenhof (Markt Freihung)

 

Übrigens zeigen auch Poppenricht und Freihung ein mangelndes Geschichtsverständnis. In Poppenricht existiert eine Johannes-Stark-Straße, in Freihung die Professor-Stark-Straße.

 

Es ist doch etwas armselig, sich von einem Nobelpreis so weit blenden zu lassen, dass man nicht mehr in der Lage ist, zu erkennen, wer ihn bekommen hat. Gab oder gibt es in diesen Gemeinden keine anständigen Menschen, denen man eine Straße widmen könnte?  

 

 Poppenricht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!