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Zu Stolpersteinen gibt es sehr kontroverse Ansichten.
Gegner*innen der Stolpersteine finden den Gedanken unerträglich, dass NS-Opfer wieder mit Füßen getreten werden. Es gibt auch Angehörige und Nachfahren von NS-Opfern, die sich deshalb gegen Stolpersteine aussprechen.
Sie hätten lieber Gedenktafeln. Da gibt es aber auch ein Problem: die Hausbesitzer müssten mit der Anbringung einverstanden sein. Schwierig wird es, eine derartige Einwilligung zu bekommen, wenn die Hausbesitzer Nachfahren von "Ariern" sind, die einst das Haus unter zweifelhaften Umständen ausgesprochen günstig von jüdischen Mitbürgern erwarben. Und auch Gedenktafeln kann man schänden, wie ein Beispiel aus Weiden zeigt.
Wie lange die Gedenktafel in dem Zustand war, ohne dass sich jemand daran störte, ist nicht bekannt. Sie fiel uns beim Putzen der Stolpersteine auf und wir mussten ewig schrubben, um die Schmähschrift entfernt zu bekommen.
Auch Gedenktafeln kann man nicht vor dem braunen Pack schützen.
Für die Stolpersteine benötigt man keine Einwilligungen von Privatpersonen, sondern von der Stadt, wenn sie auf öffentlichem Gehwegen verlegt werden.
Manche Leute kritisieren, dass diese Initiative von einem einzigen Künstler ausging und er sich dadurch ein Monopol geschaffen hätte. Günther Demnig, Initiator der Stolpersteine, zu unterstellen, aus reinem Geschäftsinteresse 1996 die Stolpersteininitiative ins Leben gerufen zu haben, ist absurd. Denn reich werden kann er an dem Projekt nicht. Er wollte an die NS-Opfer erinnern und zwar genau dort, wo sie zuletzt freiwillig gelebt hatten. Ihm gelang es, ein dezentrales Mahnmal in Europa zu schaffen, was die Verfolgten dorthin zurückbrachte, wo sie Mensch, keine Opfer, keine Nummern, sondern Nachbarn, Freunde, Mitbürger waren. Ein ähnliches Projekt von ihm gibt es auch auf Mallorca, silberfarbene Erinnerungssteine, genannt Remembrance Stones, die an die Opfer des faschistischen Franco-Regimes erinnern.
Für die Befürworter*innen der Stolpersteine ist es wichtig, dass so die Erinnerung an diese Menschen nicht hinter verschlossenen Türen stattfindet, sondern im öffentlichen Raum, im Alltag. Die Nazis vernichteten nicht nur Leben, sie versuchten ihren Opfern ihre Identität zu nehmen, jegliche Erinnerung an sie auszulöschen und so ihre Verbrechen zu vertuschen. Recherchen zu den NS-Opfern geben ihnen wenigstens ihren Namen zurück und erinnern an ihr Schicksal.Oft ist es der einzige Gedenkort, weil diese Menschen, verscharrt oder verbrannt, nicht einmal ein Grab haben.
Es gibt Menschen, die um die halbe Welt reisen, um bei der Verlegung des Stolpersteins für ihren Angehörigen, Vorfahren, Freund*in dabei sein zu können. Für sie bedeutet dieser Stolperstein mehr als nur Erinnern. Und häufig kommt es bei diesen Verlegungen zu einer Versöhnung mit dem Herkunftsland.
Egal, wie man zu den Stolpersteinen steht, sie sind da und bedeuten eine Verpflichtung. Denn die Verlegung ist eine einmalige Sache, aber sie verlieren ihren Sinn und Zweck, wenn sie nicht regelmäßig gepflegt werden. Man kann niemanden einen Vorwurf machen, achtlos über sie hinwegzugehen, die NS-Opfer also mit Füßen zu treten, wenn man die Stolpersteine nicht sieht. Das ist reine Missachtung, kein Gedenken, kein Erinnern, kein Mahnmal, wenn Stolpersteine derart verschmutzt sind, dass man sie nicht mehr wahrnehmen kann.
Die gleichen Stolpersteine nach einer improvisierten Reinigung
Wir putzen im Frühjahr (März), um vor allem Salz, Splitt und Granulat zu beseitigen, was den Stolpersteinen arg zusetzt. Viele Stolpersteine sind jüdischen Menschen gewidmet. Sie sollten zum Pessach sauber sein, denn kein Jude möchte schmutzig den Pessach begehen. Und christliche NS-Opfer freuen sich auch über einen Frühjahrsputz. Die nächste Putzaktion ist im Herbst (November). Es macht die Stolpersteine widerstandsfähiger für den Winter. Zu Chanukka und Weihnachten sollten auch die Stolpersteine glänzen. Regelmäßig geputzte Stolpersteine sind nicht nur sichtbar, sondern beim nächsten Mal leichter zu reinigen.
Wer unsicher ist oder Angst hat, die Stolpersteine zu beschädigen, kann sich gerne die Putzanleitung runterladen und ausdrucken.
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