Margarete Obermeier ( 1900-1976) wuchs zusammen mit ihren vier Geschwistern in einer Goldschleifer-Familie in Goldbach und Riglasreuth in der Oberpfalz auf. Ihre Kindheit und Jugend waren geprägt von großer Armut. Ihr Vater arbeitete als Tagelöhner in den zahlreichen Glasschleifen der Gegend. Auch die Mutter und die Kinder mussten diese gesundheitsschädigende und zermürbende Arbeit leisten. Die Familie lebte, wie auch andere Glasschleiferfamilien, sehr beengt auf dem Werksgelände in einem unzulänglichen Raum, dessen Wände und Fußböden durchnässt und faulig waren.

 

Trotz dieser harten Arbeit waren diese Familien nicht gut angesehen und ihre Mitmenschen betrachteten sie mit Misstrauen. Grund dafür: sie waren besitzlos, arm und lebten in erbärmlichen Verhältnissen. Essen war knapp. Durch die Tätigkeit in den Glasschleifen wurde ihre Gesundheit massiv in Mitleidenschaft gezogen. Ihre Arbeitskraft wurde rücksichtslos ausgebeutet von zum Teil börsenartigen Firmen, die die veredelten Glasprodukte wie Spiegel und Glasperlen in alle Welt exportierten. 

 

Um der ständigen Armut, dem Elend und der Aussichtslosigkeit zu entkommen verließ Margarete die Oberpfalz und suchte ihr Glück in Leipzig und Nürnberg. Sie war 28 Jahre alt, als sie sich in München niederließ. Dort verdiente sie sich ihr Geld in Bars und Bordellen. Offiziell stand sie unter „Sittenkontrolle“, wie es von Seiten des Amts hieß. Das Geld war auch hier mehr als knapp und so begann sie Diebesgut zu verkaufen, um ihren notwendigen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Immer wieder wurde sie wegen Prostitution und Diebstahls für wenige Tage inhaftiert. 1940 verurteilte sie das Landgericht München zu vier Jahren Zuchthaus, die sie in der Frauen-Strafanstalt Aichach verbrachte. Da die Zahl der Gefangenen ab 1933 stark anstieg, war diese Haftanstalt schnell restlos überfüllt. Mehr als 100 Frauen wurden zwangssterilisiert, hunderte in Konzentrationslager deportiert.

 

Margarete Obermeier hatte ihre Strafe voll verbüßt zu den damaligen Bedingungen in den Gefängnissen und Zuchthäusern mit unbezahlter Zwangsarbeit, schlechter Verpflegung, unhaltbaren hygienischen Zuständen. Dennoch kam sie über eine weitere Haftanstalt 1943 in das KZ Ravensbrück und von dort ins spätere Flossenbürger Außenlager Graslitz. Ihre Einweisung in ein Konzentrationslager nach verbüßter Haft war Unrecht, hatte mit Rechtsstaatlichkeit nichts gemein. Im KZ war sie als „asozialer“Häftling mit dem schwarzen Winkel registriert. Die Häftlinge mussten in Tag-und Nachtschichten unter schwersten Bedingungen Zwangsarbeiten für die Rüstungsindustrie leisten. Margarete Obermeier überlebte den Todesmarsch und wurde im Mai 1945 befreit.

 

Nach Kriegsende zog die nun 45jährige Margarete nach Weiden. Sie litt stark unter den gesundheitlichen Folgen der KZ-Haft und konnte nicht mehr körperlich arbeiten. Eine leichte Bürotätigkeit blieb ihr vermutlich auf Grund ihrer, wenn überhaupt, geringen Schulbildung verwehrt. Das Geld der Wohlfahrtsunterstützung reichte hinten und vorne nicht, um davon menschenwürdig leben zu können. So wohnte Margarete in einem winzigen, heruntergekommenen Zimmer im „Glasscherbenviertel“ Hinter der Mauer. Weil sie nicht als NS-Verfolgte anerkannt wurde, erhielt sie keinerlei Hilfe, keine Entschädigung und das Wohnungsamt wies ihr auch keine bessere Unterkunft zu.

 

Trotz ihrer angeschlagenen Gesundheit kämpfte sie jahrelang vergeblich um Wiedergutmachung. Auch nach der NS-Zeit hatte sie für die Behörden als „Asoziale“ keinen Anspruch. So starb Margarete Obermeier, ohne jemals eine Entschädigung erhalten zu haben, auch nicht für die jahrelange Zwangsarbeit, die sie leisten musste und für die nie Rentenbeiträge entrichtet wurden, im September 1976 in bitterer Armut in Weiden.

 

Sie zählt zu den zahlreichen Verleugneten und steht stellvertretend für alle von der NS-Herrschaft als „ Asoziale“ geschmähten Menschen. Durch die NS-Ideologie eines „reinen“ Volkes mussten sie die Erfahrungen der gesellschaftlichen Ausgrenzung, Stigmatisierung und Verfolgung machen.

 

Menschen wie Margarete Obermeier, die in Armut hineingeboren wurden, chancen- und besitzlos blieben, oftmals nur eine unzureichende Schulbildung hatten, wurden und werden verachtet und missachtet. Statt ihrer zu gedenken, das ihnen angetane Unrecht zu erkennen, werden sie weiterhin verurteilt mit Statements wie „selbst verschuldet“.

 

Als Erinnerungsgruppe Oberpfalz der OMAS GEGEN RECHTS fordern wir für Margarete Obermeier und andere Verleugneten Gerechtigkeit. Es wäre angemessen, für Margarete Obermeier in Weiden einen Stolperstein zu verlegen.

 

 

 

 

 

 

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