Das Heinz-Dilemma

Eine Frau litt an einer besonderen Krebsart und drohte zu sterben. Es gab ein Medikament, dass nach Ansicht der Ärzte ihr Leben retten könnte. Ein Apotheker in der gleichen Stadt hatte es erst kürzlich entdeckt. Die Herstellung des Medikamentes war teuer, doch der Apotheker verlangte zehnmal mehr dafür, als ihn die Produktion gekostet hatte. Die Produktion des Medikamentes hatte ihn 2000 € gekostet, er verlangte aber 20000 € für eine kleine Dosis des Medikamentes.

Heinz, der Ehemann der erkrankten Frau, erfuhr von seiner Krankenkasse, dass sie die Kosten für das Medikament nicht übernimmt. Er suchte alle seine Verwandten und Bekannten auf, um sich das Geld zu leihen. Er bat die Behörden um Unterstützung, nahm bei der Bank einen Kredit auf. Schließlich hatte er 10000 € zusammen, also die Hälfte des verlangten Preises. Er ging zum Apotheker und bat ihn, ihm das Medikament zu dem Preis zu überlassen, den Rest würde er in monatlichen Raten abzahlen. Darauf ließ sich der Apotheker nicht ein. Der Apotheker vertrat die Ansicht, dass er das Medikament entdeckt habe und es sein Recht sei, jetzt viel Geld damit zu verdienen.

Heinz hatte alle legalen Möglichkeiten ausgeschöpft. In seiner Verzweiflung brach er in der Apotheke ein und stahl das Medikament.

Hätte er das Medikament stehlen sollen?
Würde der Diebstahl anders gewertet werden, wenn der Betroffene nicht seine Frau, sondern ein Fremder (Haustier) gewesen wäre?
Soll der Richter Heinz für den Diebstahl bestrafen?

 

Stufe Pro Kontra
1 Heinz sollte das Medikament stehlen, da seine Frau vielleicht eine bedeutende Person ist. Heinz sollte es nicht stehlen, da er dafür ins Gefängnis kommen kann.
2 Heinz sollte das Medikament stehlen, weil seine Frau ihm eines Tages auch einen Gefallen tun könnte. Heinz sollte es nicht stehlen, wenn er seine Frau nicht liebt, denn dann wäre es die ganzen Schwierigkeiten nicht wert.
3 Heinz sollte das Medikament stehlen, selbst wenn er seine Frau nicht liebt oder es für einen Fremden ist, denn wir sollen bereit sein, anderen zu helfen. Heinz sollte es nicht stehlen, um einen guten Eindruck in der Gemeinschaft zu hinterlassen.
4 Heinz sollte das Medikament stehlen, weil Menschen zum Nutzen der Gesellschaft Verantwortung für andere übernehmen müssen. Man sollte das Gesetz achten, denn der Respekt vor dem Gesetz würde zerstört, wenn die Bürger meinten, sie könnten jederzeit Gesetze brechen , wenn sie nicht mit ihnen übereinstimmen.
5 Heinz sollte das Medikament stehlen, da das Recht auf Leben das Recht auf Eigentum verdrängt oder sogar übersteigt. Man sollte das Gesetz achten, weil das Gesetz die grundlegenden Rechte einzelner gegenüber anderen sichert, die diese übertreten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Heinz-Dilemma
 
Zum Erreichen einer höheren Stufe muss der Proband Fortschritte auf drei Gebieten machen: die soziale Perspektive muss sich erweitern, die moralische Selbstbestimmung muss sich verbessern und die Begründung der Regeln seines Handelns muss optimiert sein.
 
 

Präkonventionelle

Ebene

Niveau der Kinder bis 9. Lebensjahr, einige Jugendliche und viele Straftäter.
Stufe 1
Orientierung an Strafe und Gehorsam: Vermeidung von Bestrafung
Keine Orientierung an moralischen Ansprüchen, sondern im Wesentlichen an wahrgenommenen Machtpotenzialen. Die von Autoritäten gesetzten Regeln werden befolgt, um Strafe zu vermeiden.
Stufe 2
Instrumentell-relativistische Orientierung: Individualismus, Zweckdenken, Austausch
Kinder erkennen die Gegenseitigkeit menschlichen Verhaltens. Rechthandeln ist die Befriedigung eigener Bedürfnisse und gelegentlich die von anderen als Mittel (instrumentell). („Ich gebe, damit du gibst“; "Wie du mir so ich dir").

Konventionelle

Ebene

Zu dieser Ebene gehört ein Großteil der Jugendlichen und Erwachsenen.
Stufe 3
Interpersonale Konkordanz-Orientierung: Anerkennung durch Andere
Moralische Erwartungen Anderer werden erkannt. Den Erwartungen möchte der Proband entsprechen, nicht nur aus Angst vor Strafe. Wird er den Erwartungen nicht gerecht, empfindet er Schuldgefühle. Er richtet ebenfalls moralische Erwartungen an das Verhalten anderer. Es wird häufig aufgrund der zugehörigen Intention argumentiert („Er hat es doch gut gemeint“).
Stufe 4
Orientierung an Gesetz und Ordnung: Beachtung gesellschaftlicher Regeln
Der Proband erkennt die Bedeutung moralischer Normen für das Funktionieren der Gesellschaft. Allgemeine moralische Regeln der Gesellschaft werden befolgt, da sie für das Aufrechterhalten der sozialen Ordnung erforderlich sind (law and order).

Postkonventionelle

Ebene

Minderheit von Erwachsenen, meistens erst nach dem 20. Lebensjahr.
Stufe 5
Legalistische Orientierung am Sozialvertrag: Beachtung demokratisch anerkannter Gesetze
Moralische Normen werden hinterfragt und nur noch als verbindlich angesehen, wenn sie gut begründet sind. Der Proband orientiert sich an der Idee eines Gesellschaftsvertrags. Aus Gedanken der Gerechtigkeit oder der Nützlichkeit für alle werden bestimmte Normen akzeptiert. Nur etwa ein Viertel aller Menschen erreicht diese Stufe.
6. Stufe:
Orientierung am universalen ethischen Prinzip: Orientierung an Gewissen oder Prinzipien
Wird von weniger als 5 % der Menschen erreicht. Moralbegründung orientiert sich am Prinzip der zwischenmenschlichen Achtung, dem Vernunftstandpunkt der Moral. Rechthandeln wird mit selbstgewählten ethischen Prinzipien, die sich auf Universalität und Widerspruchslosigkeit berufen, nach dem kategorischer Imperativ in Einklang gebracht. Konflikte sollen argumentativ unter Einbeziehung aller Beteiligten gelöst werden.

 
 
 
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