Auch zu trans und gender-nonkonformen Menschen gibt es bisher keine Überlieferungen aus der mittleren oder nördlichen Oberpfalz während der Weimarer Republik oder NS-Zeit. In der Weimarer Republik und im NS-Staat wurden sie als Transvestiten bezeichnet. Es ist anzunehmen, dass es sie gab, aber aus den gleichen Gründen wie lesbische oder schwule Menschen in Großstädte zogen.

 

Ähnlich wie bei den Lesben kann aus der Tatsache, dass es bis heute kaum Informationen und Zahlen zu NS-Opfern gibt, nicht darauf geschlossen werden, dass sie nicht verfolgt wurden. Das Gegenteil ist der Fall. Grundsätzlich galten für die Nazis alle Menschen, die nicht ihren Rollenvorstellungen entsprachen, als krank, entartet, widernatürlich, undeutsch und als „Bedrohung für das deutsche Volk“.

 

Direkt nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurden Treffpunkte wie die Transvestitenlokale Eldorado oder Schattenbild in Berlin zerschlagen, am 6.5.1933 das Institut für Sexualwissenschaft (IfS) von dem Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld geplündert und gewaltsam geschlossen und die sogenannten Transvestitenscheine nicht mehr akzeptiert.

 

Transmenschen wurden zur Detransition gezwungen. Das bedeutete, dass sie gezwungen wurden, ihre Identifikation mit dem gefühlten Geschlecht abzulegen und geschlechtsangleichende Maßnahmen rückgängig zu machen.

 

Unabhängig von ihrer wirklichen sexuellen Orientierung wurde auf Transfrauen häufig der verschärfte §175 angewendet. Doch das Tragen von Frauenkleidung war kein Beweis für homosexuelles Verhalten. Die Nazirichter interessierte es nicht und urteilten automatisch Transfrauen als 175er ab.

 

Transmänner mussten damit rechnen, nach §183a, Erregung öffentlichen Ärgernisses, verurteilt zu werden. Bekanntheit erreichte Gerd Kubbe. Er widersetzte sich und ignorierte den Entzug des Transvestitenscheins. Nach Schutzhaft und Einweisung in ein Frauen-KZ kam er überraschend frei und erhielt die Erlaubnis, wieder Männerkleidung tragen zu dürfen und den Vornamen Gerd anzunehmen. So viel Glück hatten nur wenige Transmänner.   

 

Trans und gender-nonkonforme Menschen verschwanden in Gefängnissen, Konzentrationslagern, Psychiatrien oder wurden in den Selbstmord getrieben. Kinder, die in ihrem Rollenverhalten von den Vorstellungen abwichen, kamen in die Kinderpsychiatrie. 

 

Diese Gruppe Menschen blieb lange von der historischen Forschung unbeachtet. Erst seit Anfang der 2020er Jahre begannen durch queere Aktivist*innen Recherchen und eine Aufarbeitung, um endlich auch dieser NS-Opfergruppe gerecht zu werden und ihrer zu gedenken.  

 

 

 

 

 

 

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