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Franz Sußbauer wurde am 10.5.1910 in Weiden geboren. Seine Eltern Franz und Margareta besaßen eine bekannte Obst- und Delikatessenhandlung. So lag es nahe, dass auch Franz Kaufmann wurde. Ob er im Feinkostladen seiner Eltern arbeitete, eventuell übernehmen wollte, ist nicht bekannt. Laut seiner Kennkarte soll er am 1.9.1938 nach Regensburg in eine Heil- und Pflegeanstalt gekommen sein, höchstwahrscheinlich war damit die Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll gemeint. Es existiert zu ihm keine Krankenakte. Anscheinend wurde sie vernichtet. Damit fehlen sämtliche Informationen zu seiner Erkrankung.
Vernichtet wurden in der Regel die Krankenakten, die nicht zu den Mordplänen der Nazis passten. Beispielsweise blieb von Anton Bandhauer die Krankenakte der NS-Anstalten erhalten, die Krankenakte und Pflegeberichte aus seiner letzten Einrichtung fehlten. Es hatte Methode, denn die Krankenakten und Pflegeberichte dienten als Beweis, dass die Opfer „lebensunwürdig“ seien und daher ihre Ermordung gerechtfertigt wäre. Als Beispiel ein fiktives Beispiel. Der Pflegebericht einer korrekten Pflegeeinrichtung zu dieser Zeit: „Anna ist eine allgemein beliebte, fröhliche und stets höfliche Patientin, die die ihr übertragenen Arbeiten im Haushalt stets akkurat und zuverlässig ausführt.“ Über die gleiche Patientin würde eine NS-Anstalt berichten: „Anna grinst ständig verblödet vor sich her, benimmt sich unterwürfig und läppisch. Sie kann lediglich unter Anleitung und Aufsicht leichte Arbeiten im Haushalt verrichten“. Nach diesem Pflegebericht wäre Anna für die Nazi-„Gutachter“ eine sogenannte „Ballastexistenz“.
Dass von Franz Sußbauer keine Krankenakte mehr existiert, könnte ein Hinweis darauf sein, dass er die Nazi-Kriterien zur Ermordung nicht erfüllte. Es wird sich nicht mehr aufklären lassen. Mit Sicherheit wurde jedoch dagegen verstoßen, dass von dem Euthanasieprogramm nur Anstaltsinsassen betroffen sein sollten, die länger als fünf Jahre in Anstaltspflege waren. Franz war aber noch nicht einmal drei Jahre in der Pflegeanstalt. Die braunen Verbrecher hielten sich nicht an die eigenen Vorgaben.
Was lediglich bekannt ist, dass Franz Sußbauer am 16.6.1941, fünf Wochen nach seinem 31. Geburtstag, in der Mordfabrik Hartheim ermordet wurde. Die Umstände seines Todes können ebenfalls recherchiert werden, denn das industrielle Morden in den Mordfabriken war standarisiert.
Franz Sußbauer hat keine lebenden Angehörigen mehr. Wir sehen es daher als unsere Aufgabe an, dafür zu sorgen, dass er dennoch nicht vergessen wird. Es gilt auch für den ehemaligen Lokführer Karl Schlosser, der am 31.3.1897 in Weiden geboren wurde und Hinter der Schanz 5 lebte. Auch ihn vergasten im Juli 1941 die Nazis in Hartheim, obwohl er Kriegsteilnehmer im I. Weltkrieg und in Kriegsgefangenschaft war. Er hatte am 3.10.1931 Anna Babette Hering geheiratet, die aber bereits am 18.4.1936 starb. Da Franz Sußbauer und Karl Schlosser keine Angehörigen mehr haben, werden wir uns dafür einsetzen, dass für sie sichtbare Erinnerungsorte geschaffen und Stolpersteine verlegt werden.
Das wünschen wir uns auch für die anderen acht T4-Opfer, die in Hartheim ermordet wurden. Es wäre schön, wenn ihre Familien einer Stolpersteinverlegung für ihre Angehörigen zustimmen würden.
Die Namen der Opfer dürfen nicht vergessen werden, das Unrecht an ihnen muss benannt werden.
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